Ist das „Antiamerikanismus“? Die Vermutung kam gelegentlich auf, wenn das Thema Januar 2026 auf dem Tisch war. Nein, antiamerikanistisch ist das nicht. Ich schätze die Erungenschaften internationaler Interaktion. Globalisierung, Lieferketten, freier Handel – das sind die Stichwörter, die mich seit Beginn meiner beruflichen Aktivitäten begleiten.
„Füttere ich den Hund, der mich beißen wird?“ Für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine war es deutlich. Keine oder wenigstens stark reduzierte Interaktion mit Russland, damit der russischen Wirtschaft und dem Staat die Mittel ausgehen, die den Krieg finanzieren.
Als aus den USA zu hören war, dass man Grönland um jeden Preis haben will, war das eigentlich der Beginn eines „Angriffskriegs“, der nur noch nicht begonnen hat. Die Verhängung von Strafzöllen gegen die opponierenden Staaten ist genau das, der Beginn.
Unternehmen erwirtschaften Gewinne. Gewinne erzeugen Steuern. Steuern bezahlen Regierungsvertreter und kaufen Rüstungsgüter. Rüstungsgüter … und ZACK – Grönland, EU Territorium, ist weg.
Wo ist der Hebel, wenn vertragstreues Handeln nicht zu erwarten ist? „Unternehmen erwirtschaften Gewinne.“ Wenn 400 Millionen Europäer darüber nachdenken, mit welchen Kaufentscheidungen sie wo Gewinne erzeugen, wird daraus ein Signal, dass die Steuerströme beeinflusst.
Im Fall der USA kommt erschwerend hinzu, dass wir eine Fülle von Produkten oder Dienstleistungen nutzen, deren Verfügbarkeit und Funktion aus den USA ermöglich wird. Kein Problem, dahinter stehen Verträge, Licence Agreements und ähnliches. Was aber, wenn die Einhaltung der Verträge nicht mehr relevant ist oder strategischen Überlegungen weichen muss? Wir hatten diese Diskussion mit Huawei oder Kapersky und „selbstverständlich“ sind Cisco, Oracke, Apple und Microsoft die „Guten“, da ist die Grundannahme wie bei Huawei sicher nicht gegeben.
Eben das ist der Irrtum. Ein Satz im Januar 2026 zeigt, wie dünn der Faden ist. „Wir brauchen Grönland um jeden Preis.“ – der Faden ist gerissen.